HINWEIS: Dieser Artikel entstand Anfang 2017 und ist seit dem nicht überarbeitet worden. Auf Vollständigkeit und Aktualität besteht keine Garantie.
Ich stehe an der, durch ein kleines Schild gekennzeichneten, Haltestelle in Dublin und warte auf den Bus. Kein Fahrplan, nur eine Nummer auf der kleinen, gelben, runden Scheibe.
Ich hoffe, das ich richtig stehe!
Nach weiteren zehn Minuten biegt der gelb-blaue Doppelstockbus um die Ecke und ich trete vor. Ich überprüfe die Nummer und die Richtung, die auf dem Bus geschrieben steht. Ich bin richtig und das ist mein Bus.
Schon sehe ich mich, in zwanzig Minuten bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Brombeer Crumble, in einem kleinen Café am Fluss sitzen, da fährt der Bus unbekümmert an mir vorbei, ohne zu halten.
Geschockt stehe ich am Straßenrand. Und jetzt?
Dann zu Fuß. 2 Stunden Fußmarsch in die Stadt. Was lief schief?
Ganz einfach. Ich war gerade nach Dublin gezogen und hatte die Tricks und Kniffe im Zusammenhang mit dem Öffentlichen Nahverkehr noch nicht raus.
Damit euch das nicht auch passiert, habe ich hier eine Ansammlung von Wissenswertem zusammengestellt, damit ihr die Erfahrung einer Wanderung nach Hause oder zurück zum Hostel mitten in der Nacht, nicht machen müsst.
Was ist eine Leap Card?

Das erste, was man sich in dem Dubliner Straßengewirr besorgen sollte – ob man länger bleibt oder nur für eine Woche – ist eine Leap Card („leap“ = engl. springen, hüpfen). Dieser kleine Schatz macht das Reisen sehr viel einfacher und man spart auch noch Geld, da jede Reise ein wenig billiger ist, als wenn man sich jedes mal ein einzelnes Ticket kaufen würde – und zwar ganze 20%.
Zusätzlich gilt die Leap Card in weiteren Städten, wie Cork, Galway, Limerick, Waterford und Wexford und den umliegenden Gegenden.
Wie benutze ich eine Leapcard?
Je nach dem mit welchem Verkehrsmittel ihr euch entscheidet zu fahren, sind die Wege unterschiedlich.
Vor der Benutzung der Verkehrsmittel, findet man ein Kartenlesegerät (mehr Details weiter unten), an welches man die Karte halten muss und wo dann der Betrag automatisch von der Karte abgebucht wird. Dabei muss man immer darauf achten, dass man Geld auf die Karte geladen hat und, dass man nicht mehr, als 5 Euro ins Minus geht. Ansonsten, wird es knapp, wenn man noch einmal zurück zum Laden oder dem Automaten rennen muss, um seine Karte aufzuladen.
Woher bekomme ich die Leap Card?
Auch hier gibt es unterschiedliche Wege, je nach dem, welche Art der Leap Card man erwerben möchte. Im Folgenden werden die einzelnen Arten genauer vorgestellt und auch die beste Art, an sie heranzukommen.
Leap Card
Die einfache Leap Card für Erwachsene kann in Touristenshops, an Ticketautomaten und in über 650 verschiedenen Verkaufsstellen in Kiosks, wie zum Beispiel Londis, erworben werden. Auch eine Onlinebestellung auf der offiziellen Seite ist möglich
Die Karte kostet 5 Euro und muss mit einem Minimum von 5 Euro aufgeladen werden. Die ersten 5 Euro sind ein Kredit mit welchem man die Karte bis maximal zu diesem Betrag überziehen darf.
Ist das Guthaben aufgebraucht, kann die Karte ebenfalls an Ticketautomaten, in offiziellen Nahverkehrsbüros oder den oben genannten Kiosks aufgeladen werden.
Aufgeladenenes Reiseguthaben kann hier zurückerstattet werden – allerdings muss die Karte vorher registriert sein. Eine Registration ist ebenfalls auf dem oben genannten Link möglich.
Auch Tickets für Fernverkehrsunternehmen, wie Bus Éireann, können auf die Karte geladen und im Bus benutzt werden.
Die normale Leap Card gibt es auch für Kinder zwischen 4 und 15 Jahren und 16 und 18 Jahren, auf welche Sonderangebote, wie 10-Fahrtentickets oder Wochenkarten geladen werden können.
Leap Visitor Card
Bleibt man nur für ein längeres Wochenende oder ein bis zwei Wochen, lohnt sich der Erwerb einer Besucherkarte.
Diese befähigt den Besitzer, mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln so viele Fahrten zu unternehmen, wie gewünscht. Sie kann für 1 (10€),3 (19,50€) oder 7 (40€) Tage erworben werden und nach Wunsch maximal 5 mal für weitere Tage aufgeladen werden.
Verkaufsstellen sind am Flughafen und in der Innenstadt in Touristeninformationen zu finden. Für mehr Informationen klick hier.
Student Leap Card
Wer die grüne Insel als Student für eine Weile aufsuchen möchte, bekommt mit der personalisierten Leap Card, neben den 20% Rabatt, noch weitere Vorteile. Zum Beispiel bis zu 66% Rabatt auf Tickets von Fernbussen oder Zügen und Preisnachlässe beim Kauf in bestimmten Läden und von spezifischen Marken. Hier mehr dazu.
Die Student Leap Card kann an bestimmten Standorten in den Universitäten oder im Internet bestellt und per Post zugesand werden. KoThe sten hierbei: 10 Euro. Hier der Link.
Worauf muss ich beim öffentlichen Nahverkehr achten?
Um dies zu beantworten werde ich nacheinander auf die einzelnen Arten des öffentlichen Nahverkehrs eingehen und genau erläutern, was man hierbei wissen sollte.
DART und Commuter
Die DART (Dublin Area Rapid Trasit) und die Commuter („Pendler“) sind ein Zugnetz innerhalb von Dublin und Umgebung.
Die DART erinnert an die, in Deutschland bekannte, S-Bahn und läuft einmal quer durch Dublin von Norden nach Süden.
Die Commuter-Züge verbinden Dublin mit den umliegenden Städten und Dörfern und sogar mit weiter entfernten Zielen, wie Dundalk oder Cork.

Um diese zu benutzen, muss man, entweder am Schalter oder am Automaten ein Ticket erwerben oder Geld auf seine Leap Card laden. Bevor man die Plattformen betreten darf, muss man sein Ticket in den Schlitz der davorstehenden Barrieren stecken, diese checken die Gültigkeit automatisch und öffnen dann den Durchgang. Genauso mit der Leap Card, die man einfach an das, daran befindliche, Lesegerät hält, das Geld abgezogen bekommt und durch die, sich öffnenden, Türen geht.
Hierbei muss beachtet werden, wenn man die Leap Card benutzt, sollte man nicht vergessen, diese beim Aussteigen und Verlassen der Station erneut, an die dort aufgestellten Durchgänge zu halten. Denn beim Betreten der Station wird der maximale Betrag für eine Reise mit der DART abgebucht und wenn man nicht bis zur Endstation reist, wird der Betrag, welcher zuvor zuviel abgezogen wurde, wieder auf die Karte geladen.

Die DART fährt, wie eine S-Bahn, regelmäßig aller 15 Minuten (wenn es zu keiner Unterbrechung kommt) und ist oft eine schnellere Variante, als der Bus. In meiner Zeit in Dublin, habe ich die dazugehörige App sehr zu schätzen gelernt, welche es einem wirklich einfach macht, sich eine Route herauszusuchen und alle Abfahrts- und Ankunftszeiten mit dazugehörigen eventuellen Verspätungen schnell und einfach aufgelistet zu bekommen.
Die Züge haben ihre eigenen Abfahrtszeiten, welche ebenfalls in der App oder auf der offiziellen Website nachgeschaut werden können.
Die Preise für DART und Commuter sind vielfälltig und variieren je nach Länge der zu reisenden Strecke, der durchfahrenen Zonen und der Art der Leap Card (Kinder, Erwachsenen, Student) oder des Tickets (Woche, Monat, Jahr, Tag).
Als kleine Orientierung kann man sagen, dass beim Reisen mit der DART immer der Maximalbetrag von 4,69€ von der Leap Card abgezogen wird bis man beim Ausstieg die gesparte Differenz zurückbekommt. Mit einem einfachen Erwachsenenticket sind es 5,96€ für die längste Strecke (nur um den Unterschied einmal zu verdeutlichen).
Preise und Sonderangebote können hier noch einmal nachgelesen werden.
Als Tip: wenn man mal in eine Ticketkontrolle gerät und doch einmal freies Reisen riskiert wurde, ziehen die Kontrolleure, mit ihrem „Kartencheckgerät“, einfach den maximalen Betrag (4,69€) von deiner Karte ab – allerdings bekommst du dann beim Aussteigen auch nichts wieder.
Gut zu wissen: Alle DARTs und Züge haben WLAN welches schnell und einfach genutzt werden kann durch einmaliges anmelden mit der eigenen E-Mailadresse.
Eine letzte Anmerkung: Fahrräder sind grundsätzlich erlaubt, allerdings kann es sein, dass die Mitnahme während der Spitzenzeiten nicht gestattet wird.
Luas
Die Luas (Irish für „Geschwindigkeit“) ist die Dubliner Straßenbahn, die aus (noch) zwei verschiedenen Linien besteht – die Rote und die Grüne. Eine dritte (blaue) Linie ist zur Zeit noch in Arbeit.

Die Luas verbindet den Südwesten und den Südosten Dublins mit der Stadtmitte und ist ein wenig billiger, als die DART – umfasst aber auch nicht so viele Zonen. Die zwei Linien sind mit einem 15 minütigem Fußmarsch an der engsten Stelle miteinander verbunden.

Hier ist es wichtig zu wissen, dass die Geräte, an denen die Zahlung mit der Leap Card stattfindet, relativ unauffällig an den Stationen stehen und die Gültigkeit vor dem Einstieg in die Luas hergestellt werden muss. Dort wird wieder der Maximalbetrag von 2,35€ abgezogen und beim Aussteigen und erneutem „touching“ wird der Restbetrag zurückerstattet – also, nicht vergessen, beim Aussteigen das Lesegerät zu benutzen!
Einfache Tickets können an den, meistens vorhandenen, Ticketautomaten an den Stationen gekauft und müssen einfach nur bei einer Kontrolle vorgezeigt werden.
Hierbei muss beachtet werden, dass die Preise variieren können, je nach dem, ob man zu einer Spitzenzeit fährt oder wenn es gerade etwas ruhiger ist. Der Unterschied liegt bei ungefähr 0,15€.
Für mehr Informationen zu den Luas-Preisen: klick hier.
Ein weiterer Tip: Fahrräder sind in der Luas nicht erwünscht! Wenn man es doch versucht, kann man Glück haben, sollte sich aber auf unwirsche Blicke und eventuelle Diskussionen einstellen.
Bus
Kommen wir nun zu einem der wichtigsten und gleichzeitig kompliziertesten Bestandteil des Dubliner Nahverkehrssytems: Busse. Ich muss leider zugeben, dass ich das System bis zum Schluss nicht hundertprozentig durchschaut hatte. Allerdings lebte ich irgendwann in der Nähe einer DART-Station und war auf Busse nicht mehr angewiesen.
Das Bussytem ist eines der umfangreichsten in Dublin und macht den Haupteil des Transportverkehrs aus. Dabei gibt es einige wichtige Hinweise, die es zu beachten gibt.

Will man in einen bestimmten Bus einsteigen, muss man dies dem Busfahrer mit einer rausgehaltenen Hand (!) signalisieren – sonst fährt der Fahrer weiter, wenn niemand aussteigen möchte und man kann teilweise eine Stunde auf den nächsten warten. Diese Erfahrung habe ich einmal gemacht – und dann nie wieder!
Wenn man dann doch erfolgreich mit dem Fahrer den Haltewunsch kommuniziert hat, geht es ans Bezahlen. Hier gibt es wieder die zwei Möglichkeiten der Tickets oder der Leap Card. Hat man bereits ein Ticket, wird dies nur vorgezeigt und man sucht sich seinen Lieblingsplatz oben im Bus ganz vorne am Fenster.
Braucht man noch ein Ticket kann hier nur Bar und genau bezahlt werden. Keine Scheine und kein Rückgeld. Man sagt, wo man hin möchte, wirft die Münzen in einen, dafür vorgesehenen, Schlitz und bekommt ein Ticket ausgehändigt.
Mit der Leap Card läuft es ähnlich. Man sagt, wo man hin möchte, legt die Karte auf das Lesegerät und der Busfahrer bucht den Betrag von deiner Karte.
Fährt man bis in die letzte Zone oder bis zur Endhaltestelle, kann man seine Leap Card auch einfach an ein weiteres Lesegerät halten, welches rechts neben dem Eingang angebracht ist und es wird automatisch die maximale Summe abgebucht.
Hierbei wurde mir einmal der Tip gegeben, immer zu wissen, wie viel der Weg bis zu meinem Ziel kostet, da manch einer bereits erfahren musste, dass die Busfahrer zu viel von der Karte abgebucht hatten.
Am besten, informiert man sich vorher und sagt dem Fahrer nur noch den Betrag an, den dieser von der Karte abziehen soll. Dies kann hier, auf der offiziellen Webseite, nachgeschaut werden.

Auch hier gibt es überall WLAN im Bus, welches schnell und einfach zu nutzen ist.
Letzter Hinweis: Es ist gutes Benehmen, wenn man dem Busfahrer beim Aussteigen dankt und wenigstens ein kurzes „Thanks“ zuwirft. Das machen hier viele und ich finde es eine nette Geste.
Fernbusse
Auch im Bereich Fernverkehr spielen die Busse die größte Rolle in Irland. Hierbei lohnt sich durchaus das Vergleichen der einzelnen Anbieter, da die Preise wirklich variieren können.
Für vielgefahrene Strecken, wie Dublin-Galway, Dublin-Cork oder Dublin-Belfast, gibt es mehrere Anbieter, die so fahren, dass man jede halbe bis Stunde eine Möglichkeit der Mitfahrt hat.

Tickets können ganz unproblematisch online gebucht (wobei die Fahrer eh meistens nach Namen und weniger nach Tickets oder Nummern fragen), in den Reisebüros, an den Automaten am Zentralen Busbahnhof „Busaras“ oder direkt in Bus gekauft werden.
Im Folgenden werde ich ein paar der bekannteren Busgesellschaften auflisten und verlinken:
Die Strecke zwischen Dublin und Galway bin ich meistens mit Citylink gefahren, da die Onlinepreise noch einmal billiger waren und ich pro Fahrt bei 11€ war.
Letzte Information: Auch hier findet sich wieder WLAN im Bus.
Dublin Bikes
Und zu guter Letzt, das geliebte Rad. Natürlich spreche ich hier nicht von dem was man selbst Zuhause hat.
In Dublin gibt es einige Standorte, an denen man eine Anreihung von mindestens 15 Fahrrädern findet und einen kleinen Automaten daneben, der stark an einen Ticketautomaten fürs Parken erinnert.
Hier kann man sich ein Fahrrad leihen, mit ihm durch die Stadt fahren und zum Ende der bezahlten Zeit am nächst besten Fahrradstandort wieder abgeben.

Das alles läuft ganz automatisch. Man kann ein Jahresticket kaufen, einmalig mit der Leap Card zahlen oder ein 3-Tage-Recht erwerben. Jede erste halbe Stunde ist frei. Wer also nur kurze Strecken zurücklegen will, muss bei der kostenlosen Benutzung nur hoffen, dass er in keinen Stau gerät.
Die Standorte und Preise findet ihr in den Links.
Wer noch mehr über das Reisen in Irland erfahren und mich in meiner Arbeit unterstützen möchte, kann hier mein Buch über das Reisen in Irland mit einem extra Artikel über Mietautos für nur 99ct kaufen.

Ich hoffe, ich konnte dem einen oder anderen ein paar meiner Insidertips weitergeben und wünsche allen ein gutes Durchkommen!
Bei Fragen, Anmerkungen, anderen Erfahrungen oder konstruktivem Feedback, freue ich mich über Kommentare und persönliche Nachrichten.
Cheers!


